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Newsletter 2019/ 2. Halbjahr


In Namibia wurde bereits vor mehreren Monaten der staatliche Notstand ausgerufen. Ein Großteil der Probleme zeichnete sich aber schon im vergangenen Jahr ab. Auslöser ist die tatsächliche Jahrhunderttrockenheit. Die beiden unten angezeigten Bilder (Kühe) sind aus der deutschsprachigen Allgemeinen Zeitung. Viele der Farmen haben für ihre Tiere kein Gras mehr. Ich wollte es nicht glauben, aber Farmer füttern inzwischen Pappkartons, schreddern Büsche und kaufen Gras an, das von Arbeitslosen, Frauen und Kindern bzw. ihren eigenen Arbeitern am Straßenrand „geerntet“ wird (Bilder siehe unten). Die Schlachthöfe leisten Überstunden.

 

Die Trockenheit wirkt sich natürlich auch auf die Gemüsefarmen aus. Hinzu kam im Winter (Juni/Juli) noch die starke Kälte bis um die 0 °C und darunter. Um letztere etwas einzuschränken, hatten die die Farmer Bäume gefällt, umgeben damit die Felder und brennen diese Bäume ab. Hier schützt der Rauch vor zu niedrigen Temperaturen. Auch unsere Papaya-Bäume waren betroffen (Bild unten). Nun im August/September wird es aber wieder heiß.  Daraus entsteht eine neue Gefahr: Buschbrände. Sie sind auf Grund der Dürre und die in dieser Jahreszeit unberechenbaren Winde besonders gefährlich.

 

Obwohl die Regierung versucht, die Lebensmittelpreise stabil zu halten, gelingt dies auf Grund der sehr beschränkten Mittel nur sehr bedingt.

 

Die seit längerer Zeit bestehenden finanziellen Grenzen Namibias wirken sich natürlich auch auf Ombili aus. So wurden in den meisten Schulen die Vorschulklassen aus den Lehrplänen gestrichen, auch bei Ombili. Die Stiftung hat daraufhin sofort die finanzielle, personelle und strukturelle Verantwortung übernommen (drei neue Planstellen, Zusammenlegung mit Kindergarten ebenfalls drei aber bereits vorhandene Planstellen, Lehr- und Lernmaterialien, Essenversorgung, …). Dank unserer Spender in Deutschland, Österreich und der Schweiz, konnten dafür zum Glück die Mittel bereits bis zum Jahresende gesichert werden und wir können uns auf 2020 vorbereiten.

 

Vor einigen Jahren wurde den Eltern der Grundschulkinder die Schulgebühr erlassen und der Staat war dafür eingesprungen. Nun wurden diese staatlichen Mittel bereits um 30 % gekürzt. Eine vollständige Streichung für Privatschulen ist in der offiziellen Diskussion. Wir hoffen, dass der Kelch an uns vorüber geht, da Ombili seine Schule ausschließlich für die unterprivilegierte Minderheit der San zur Verfügung stellt.

 

Es wird versucht, das staatliche Ernährungsprogramm für Minderheiten (Maismehl, Öl, Fischkonserven) mit großen Kraftanstrengungen aufrecht zu erhalten. Die letzten Lieferungen bestehen z. Zt. aber nur noch aus Maismehl. Da Ombili etwa 600 Einwohner hat (eine aktuelle Volkszählung führen wir z. Zt. durch) und täglich 500 Portionen für Kindergarten, Vorschule, Grundschule und Internat zubereiten muss, stehen wir hier vor einer besonderen logistischen aber vor allem finanziellen Herausforderung.

 

Um den Ombilis die nötigen finanziellen Mittel in die Hand zu geben, selbst Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen, haben wir in den letzten Wochen massiv Kunsthandwerk aufgekauft. Auf Grund der unvorhersehbaren Sonderausgaben waren aber auch hier die Mittel begrenzt. So haben wir erst einmal eine private Vorfinanzierung von 48.000 N$ geleistet. Wir, das sind Ralf Werk, zwei Unterstützer aus Tsumeb (Andre Struwig, Vorstandsmitglied; Andy Weyand) und ich. Damit wurden ausreichend Körbe und Schnitzereien für ca. 20 Pakete aufgekauft. Dieses Geld kommt den Einwohnern sofort und 100%ig zu Gute. Die Pakete sind inzwischen in Deutschland angekommen. Sie wurden vom Freundeskreis noch vor Versendung, d. h. umgehend bezahlt. Die gute Neuigkeit ist, dass Qualität und Vielfalt des Kunsthandwerks in den letzten Jahren sehr zugenommen haben (einige Bilder siehe unten).

 

Die kurzfristig durch die Regierung verordnete Erhöhung der Grundgehälter um über 30% im November 2017 macht uns noch immer zu schaffen, war allerdings aus unserer Sicht durchaus gerechtfertigt. Nur die Verfahrensweise war etwas befremdlich. Die 500%ige Preissteigerung für Strom in den letzten ca. 8 Jahren sei nur am Rande erwähnt.

 

 

Es gibt im Lande auch Solidarität für Ombili. Vor kurzem erhielten wir eine Spende von NAMIBMILLS von 1.600 kg Maismehl, insbesondere für die Internatsküche (Bild unten mit unserem Freund Andy Weyand aus Tsumeb, der den Transport begleitet hat). Herr Tafala Teta (akadem. Abschluss Agrarwissenschaften und Manager von „Otjikoto Fresh Fruits & Vegetables“, „Nachbar“ in ca. 50 km Entfernung) nimmt Blatt- und Bodenproben im Stiftungsgarten, um diese für Ombili in Windhoek von einem Agrarinstitut  untersuchen zu lassen. Die Dürre hat auch zu Veränderungen der Bodenstruktur geführt. Andere Farmer stellen Gemüse zur Verfügung.

 

Besonders schwierig wird es gegenwärtig im Zusammenhang mit unserer Technik und daraus entstehenden (Extra-) Kosten. Der Pickup, das einzige straßenfähige Fahrzeug neben dem neuen Traktor hat nun die 500.000 km-Grenze überschritten und lässt uns dies fast täglich spüren. Es kann passieren, dass er mehrmals im Monat in die Werkstatt muss. Auch muss er häufig angeschoben werden, um dann unterbrechungsfrei ca. 90 km bis nach Tsumeb zu kommen. Ralf Werk aus unserem Freundeskreis und ich leisteten dabei mit unserem eigenen Fahrzeug quasi Begleitschutz. Der Kostenvoranschlag für die letzte Reparatur lag bei etwa 20.000 N$. Auch war eine Vorauszahlung erforderlich wird, da der Werkstattbesitzer nicht über die notwendigen finanziellen Eigenmittel verfügt, um die Ersatzteile zu beschaffen. Ein neuer Pickup ist dringend angezeigt. Allerdings rechnen wir mit Kosten für ein gebrauchtes Auto von ca. 200.000 N$, ein Neuwagen wäre doppelt so teuer. Vor wenigen Tagen kam die Überraschung, dass ein Spender einen Großteil der Finanzierung übernehmen wird. Ein Problem weniger!  

 

Übrigens entwickelt Herr Werk hier vor Ort ein Programm für unsere „Volkszählung“ und eine qualifizierte Ombili-Datenverwaltung.

 

Zusätzlich steht unter Berücksichtigung der Trockenheit noch die Reparatur und der Ersatz der Pumpe für einen der zwei „Ombili Fire Fighter“ (auf Fahrzeuge aufsetzbare Feuerlöscher) ganz oben auf der Dringlichkeitsliste.  Die Anschaffung einer neuen Tröpfchenbewässerung für den Garten (3 ha) muss vorgezogen werden.

  

Das alles bereitet uns insgesamt doch recht große Sorgen. Auf Grund der Vielzahl der zusätzlichen Belastungen steht Ombili vor der Grenze des finanziell machbaren. Wir werden aber den Mut nicht verlieren.

    

Ich zeige gern noch eine kürzlich gemachte Aufnahme aus dem Office der Stiftung. Kilikie Bartholomeus (ganz rechts) ist hier mit drei Schülern aus der ersten und zweiten Klasse der Ombili-Grundschule zu sehen. Sie zeichnen Bilder für ihre Pateneltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Kilikie hat im vergangenen Jahr erfolgreich das Abitur gemacht und bereitet sich nun auf ein Universitätsstudium vor. Es gibt also auch Positives zu berichten.

 

Abschließend noch Meldungen aus der deutschsprachigen Allgemeinen Zeitung- AZ (Namibia):

„Angesichts der anhaltenden Dürre soll ein Projekt Farmern zur Selbsthilfe verhelfen, indem sie Gebüsch zu Tierfutter verarbeiten. Den Koordinatoren zufolge ist dieses mit deutscher Unterstützung ins Leben gerufene Vorhaben nicht nur vielversprechend, sondern auch durchaus machbar.

 

 

Regierung erneuert ihren Spendenappell

Windhoek (cev) – Die Regierung hat ihren Aufruf an erwerbstätige Namibia erneuert, bis zu zwei Prozent ihres jährlichen Grundeinkommens der Dürrehilfe zu spenden.

Dürre wird existenzbedrohlich (AZ 05.09.2019)

Die landesweite Dürre hat bedrohliche Ausmaße angenommen. Das geht aus dem jüngsten Ernte- und Nahrungsmittelbericht hervor, wonach zwischen Oktober 2018 und Juni dieses Jahres fast 90.000 Stück Vieh aufgrund der Trockenheit und des damit verbundenen Wasser- und Weidemangels verendet sind.


Von Marc Springer, Windhoek: Wie der Bericht vorrechnet, sind in besagtem Zeitraum landesweit 39440 Rinder, 25259 Ziegen, 23589 Schaf verendet. Gras-Spende wegen Dürre.(AZ 04.09.2019)

Ondangwa (NAMPA/thl)

• Die Sinco Fishing Company spendet 700 Grasballen an von der Dürre betroffene Farmer in den Regionen Oshana und Omusati. …590 Esel und 312 Pferde verhungert oder verdurstet.


Dürre: USA helfen Namibia mit 113 Millionen Namibia-Dollar

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben Namibia 7,6 Millionen US-Dollar (umgerechnet 113 Mio. N$) zugesagt, um die Auswirkungen der Dürre zu lindern. Das kündigte die hiesige US-Botschafterin Lisa Johnson (l.) an.

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